Junge Kunst in der Villa 

18.11. - 04.12.2022 

Spannende junge Kunst ab Freitag in der Villa Böhm 

Jung und bunt ging es am Freitagabend, 18. November, in der Villa Böhm zu. Es fühlte sich so an, als sei man auf einer Vernissage in einer pulsierenden Großstadt, einem kulturellen Zentrum, wo sich Vielfalt und schöpferische Freiheit zu etwas Neuem vereinen - zu einem Gesamtkunstwerk aus junger Individualität und Nachdenklichkeit. Es gab zeitkritische aber auch Mut machende Impulse in den zahlreichen Räumen der Villa zu sehen. Leider ist dieser junge Spirit in Neustadt eine Ausnahmeerscheinung. Unsere schöne Stadt könnte sich vom Engagement des Kunstvereins im Hinblick auf die Förderung der Jugendkultur locker ein Scheibchen abschneiden.

Bei der Ausstellungseröffnung "Junge Kunst in der Villa" konnten die Besucher vielfältige und ausdrucksstarke Werke von 40 künstlerisch tätigen Menschen zwischen 18 und 35 Jahren, die in der Pfalz bzw. in ihrem Umkreis leben oder dort geboren sind, bewundern. Und die jungen Künstlerinnen und Künstler zeigen, dass die Pandemiepause wahrlich keine Kreativpause war - ganz im Gegenteil. Die Werke, in Form und Stilrichtungen sehr unterschiedlich und trotzdem alle gut, machen es dem Betrachter schwer, überhaupt einen "Liebling" zu finden; aber das bleibt zum Glück sowieso einer Fach-Jury überlassen, die auf Grundlage der ausgestellten Werke einen Künstler/eine Künstlerin ermittelt, der/die als Preis eine Ausstellung in der Villa Böhm innerhalb der nächsten zwei Jahre erhält. Der Anteil von Künstlerinnen ist dabei diesmal besonders hoch. "Ca. 90 Prozent sind Frauen", wie Wolfgang Glass, Vorstand des Kunstvereins Neustadt an der Weinstraße e. V., bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste erwähnte, seiner Meinung nach: "ein klares Zeichen unserer Zeit". Zudem sei die Qualität der Arbeiten in diesem Jahr besonders hoch, es handle sich sogar um eine der besten Ausstellungen der Reihe. Begleitet wurde die Ausstellungseröffnung von Katharina Dück und Florian Arleth (Brot & Kunst Verlag), die Auszüge aus ihren literarischen Werken vortrugen. "Secondroomleft" an den Plattentellern sorgte für die passende musikalische Untermalung der Vernissage. Die Besucher wollten am Ende scheinbar gar nicht mehr gehen, also rundum ein gelungener Ausstellungsauftakt. bev 

Copyright: Gregor Lengler

Knight, 2021, Sprühfarbe auf Polyester, 90 x 75 cm

Die Qual der Wahl 

Mit den alle zwei Jahre ausgerichteten Junge Kunst Ausstellungen des Neustadter Kunstvereins verhält es sich ein bisschen wie mit Ebbe und Flut: Auf eher schwache Jahrgänge folgen zuverlässig solche, die ein wahres Füllhorn über die Betrachter ausschütten. 2022 lautet das Motto Wasser satt!

von Holger Pöschl

Der Boom drückt sich schon in den Zahlen aus: Nur 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verzeichnete die auf künstlerisch tätige Menschen zwischen 18 und 35 Jahren mit Regionalbezug ausgerichtete Nachwuchsschau bei der letzten Ausgabe.  Diesmal sind es 40, und schon ein Schnellrundgang durch die fünf Räume im Obergeschoss der Villa Böhm offenbart, dass viele interessante Positionen und Namen vertreten sind.
Tatsächlich begegnet man etlichen Künstlerinnen (die Frauen dominieren so stark, dass man das Maskulinum getrost beerdigen kann), die - obwohl noch jung an Jahren - bereits andernorts auf sich aufmerksam gemacht haben: Gleich im zentralen Salon zum Bespiel findet sich prominent eine Installation aus aufeinander geschichteten, in Doppelglasrahmen gefassten,  Cut-Outs der ursprünglich aus Bad Dürkheim stammenden Mannheimerin Valentina Jaffe, die erst kürzlich eine Einzelausstellung beim Kunstverein Worms hatte.