Malerei 

02.04. - 21.05.2023

Bürgy-de-Ruijter-Gallery zeigt informelle Lack- und Spray-Gemälde der jungen Karlsruherin Franziska Wolff 

Von der früher einmal geäußerten Idee, den Topf einfach zuzumachen und keine neuen Künstlerinnen mehr ins Programm ihrer Galerie aufzunehmen, ist Ingrid Bürgy-de-Ruijter schon lange abgekommen. Zu spannend ist einfach das, was die "Jungen" bieten - so auch bei der ersten Einzelausstellung des Jahres, die Sonntag eröffnet wird.

Diese präsentiert die 1987 in Berlin geborene Malerin Franziska Wolff, die direkt nach der Schule, als 18-Jährige, aus der Hauptstadt nach Mannheim kam, um an der Rödel-Kunstschule zu studieren, und am Oberrhein hängenblieb. 2019 hat sie ihre Ausbildung an der Akademie in Karlsruhe als Meisterschülerin bei Corinne Wasmuth abgeschlossen. In der Fächerstadt lebt sie auch nach wie vor. Das Neustadter Publikum konnte sie erstmals bei der "Junge Kunst"- Ausstellung im November/Dezember in der Villa Böhm entdecken.

Schon dort war die 35-Jährige mit einem technisch sehr anspruchsvollen informellen Spray- und Lackbild auf Polyester-Folie aufgefallen. Diese Materialkombination, die für große Farbkraft auf spiegelnd-glatten Oberflächen sorgt, dominiert jetzt auch in der Bürgy-de-Ruijter-Gallrey in Winzingen, wo im hinteren Raum sogar jenes Großformat zu sehen ist, bei dem Wolff das Ganze 2019 erstmals zur Vollendung brachte: eine gestisch anmutende Komposition aus breiten Pinselstrichen in Grau, Hellblau und Gelb. 

Was so wild und ungestüm aussieht, ist es in Wahrheit allerdings gar nicht. Sie gehe wissenschaftlich vor und verfolge das Ziel, die Prinzipien der Natur in ihren Arbeiten auszudrücken, erklärt die Künstlerin. Früher benutzte sie sogar ein Formenarchiv, aus dem sie sich wahlweise bediente. Auch dafür sind in der Galerie Beispiele zu sehen, ebenfalls mit Lack-, Spray- und Ölfarben, aber mit Leinwand als Untergrund, was naturgemäß zu matteren Ergebnissen führt. Auch Papierarbeiten werden gezeigt.

"Ich war so fasziniert von diesem kontrollierten Chaos", schwärmt auch die Galeristin, die übrigens durch einen Tipp der Mannheimer Fotografin Susanne Neiß auf die Newcomerin aufmerksam wurde.

Holger Pöschl, Die Rheinpfalz vom 29.03.2023