The 2nd Supper 

10.02. - 07.04.2023

Große Schwünge in Farben und Formen 

Porträt: Die Arbeiten der Künstlerin Franziska Wolff sind derzeit in der Galerie Strümpfe zu sehen

Von Susanne Kaeppele

Vergnügt und freundlich wartet die junge Künstlerin Franziska Wolff auf uns bei Strümpfe, der einmaligen Mannheimer Nachtgalerie im Jungbusch. Wir kennen uns schon lange, etwa von der Freien Kunstakademie Mannheim (FKAM), wo sie von 2007 bis 2010 bei Barbara Hindahl studierte. Wie ist es ihr ergangen? Die Ausstellung war schon länger geplant, aber wegen anderer Termine immer wieder verschoben worden. Im Jahr 2012 hatte Franziska Wolff schon einmal eine große Ausstellung in der Galerie Strümpfe.
Ende 2019 sei sie mit dem Studium fertig geworden und dann habe es zwar gleich mit Corona angefangen, "aber es war aber trotzdem eine gute, produktive Zeit für mich", erzählt sie. "Ich habe in Karlsruhe gleich ein Atelier gefunden, in einer Ateliergemeinschaft mit insgesamt acht Künstlern." Erstmal war nicht viel mit Ausstellungen, aber das war auch okay - man musste sich ja erstmal finden nach der Pandemie. Und man darf nicht vergessen, dass die Künstlerin erst 32 Jahre alt war, als sie mit dem Studium an der Akademie in Karlsruhe fertig war. Und dass sie überhaupt einen ungewöhnlichen Lebenslauf hat - denn wer geht schon von Berlin freiwillig nach Mannheim? Ja, um an der Kunstschule Rödel zu studieren, auf der sie mit 18 Jahren aufgenommen wurde - ohne Abi, nur mit Realschulabschluss. Ein langer Weg, aber gut, berichtet sie zufrieden.

Heute arbeitet sie freier als früher

Wolff fand "relativ schnell" eine Galerie in Stuttgart, die Galerie Strzelski. "Der Besitzer ist auf mich zugekommen, ab 2022 ging's für mich dann wieder los." Auch hatte sie ein paar Ausstellungen in Berlin, Stuttgart und Karlsruhe. "Jetzt haben die Leute auch wieder Lust!"
Das Atelier in Karlsruhe-Weststadt, ein Hinterhofgebäude, sei relativ groß und offen. Es gibt auch getrennte Räume und "ein Lager, das wir uns teilen, jeder hat schon so seinen eigenen Bereich. Ich bin in einem größeren Raum mit zwei anderen, das ist ein bisschen offener, aber das funktioniert gut, man kommt sich nicht so in die Quere. Die meisten haben andere Zeiten als ich. Wir sind alle miteinander befreundet, mit dem einen oder anderen ist man näher - es ist eine gute Ateliergemeinschaft." Heute verwendet sie andere Malmittel als früher, sie benutzt einen glatten Stoff, sogenanntes Urban Art-Gewebe, speziell für Sprühfarbe auf Polyesterbasis gefertigt. Es geht immer noch um Räume und Oberflächen und was sich dahinter verbirgt, aber heute noch mehr um die Oberfläche: "Früher habe ich oft so einen Pinselstrich genommen und ihn vergrößert, konstruiert." Sie arbeite jetzt auch "mit Wasser und Sprühfarbe, Flecken, die sich nicht miteinander verbinden, sondern sich gegenseitig abstoßen. Aber ich versuche, Flächen abzudecken mit anderen Materialien, die dann wieder wegkommen." Nun arbeite sie auch mit Silikon als Abdeckmittel. "Es ist jetzt ein bisschen freier, vorher war es schon sehr konstruiert."

Konzentration auf die Kunst

Ein Sammler, der sie die nächsten zwei Jahre finanziell absichert, ist hier kein Unbekannter: Wir erinnern uns alle an die Sammlung Merkel, die viele bedeutende Künstlerinnen und Künstler förderte. Ursprünglich waren sie einmal beheimatet in dem Hochhaus gegenüber des Mannheimer Kunstvereins. Franziska Wolff ist sehr zufrieden mit ihrem bisherigen Lebensweg: "Das Studium an der Akademie hätte ich mir nie zugetraut nach der Schule, deshalb war der Weg über die Kunstschule Rödel und die FKAM sehr wichtig für mich", sagt sie. "An einer Akademie besteht der Unterricht ja nur im Selbststudium, Du kriegst nichts beigebracht. So war ich gut vorbereitet, habe alles besser verstanden. Mein Weg war gut so." und er geht weiter.


Hrsg.: Mannheimer Morgen vom 23.02.2023 

Copyright: Manfred Rinderspacher

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